Dienste ein- und ausschalten, buchen, skalieren und online überwachen: Für Internetknoten-Betreiber gehört Automatisierung zum Geschäftsmodell dazu. Welche Hebel intelligente Prozesse in der Interconnection freisetzen. Und wie wichtig Initiativen wie IX-API für die autonomen Verkehrs- und Datenflüsse von morgen sind – ein Beitrag über Standards, Open Source und wettbewerbsübergreifende Kollaboration.
Agiler schneller und smarter entscheiden – laut IDC planen 80 Prozent der CIOs weltweit Geschäftsprozesse bis 2028 zu automatisieren. Was das praktisch bedeutet, zeigen Geschäftsführer aus Deutschland, Österreich und der Schweiz. Egal, ob via Roboter-, Intelligent Process Automation oder maschinellem Lernen – wer wiederkehrende und immergleiche Aufgaben und Abläufe smart unterstützt, will die Effizienz steigern (60 Prozent) und Kosten reduzieren (56 Prozent). Anwender messen den Erfolg dabei am Return on Investment (55 Prozent), der Profitabilität (54 Prozent) oder dem Umsatzwachstum (47 Prozent), wie die 360 IT-Verantwortlichen aus dem deutschsprachigen Raum meinen, die IDG Research in einer Gemeinschaftsstudie im Auftrag von Unternehmen und Fachmedien im Jahr 2024 befragt hatte. Fehler vermeiden, Risiken reduzieren und Mitarbeiter von manuellen Routinen entlasten – auch für DE-CIX als Betreiber von Internet Exchanges (IX) gehört Automatisierung zum Geschäftsmodell dazu. Dienste ein- und ausschalten, buchen, skalieren und online überwachen, auf dem Weg zum Network-as-a-Service-Provider zeigt die fortgeschrittene Cloudifizierung der Serverwelt, worauf sich die Interconnection-Branche zubewegt.
Interconnection in Selbstbedienung: Kunden provisionieren Dienste eigenständig
Zugänge zwischen Clouds und Serverraum software-definiert routen und Netzwerke über Peering-Services auch remote verbinden – DE-CIX automatisiert gezielt Kernprozesse rund um seine besonders stark nachgefragten Produkte und macht sie für Kunden über ein Self-Service-Portal administrierbar: Auftraggeber verwalten so ihre Dienste und bestellen neue, die sie vorkonfiguriert sofort nutzen. Sind Services nicht eigenständig provisionierbar, dann stoßen Firmen übers Web einen sogenannten Request an, den Mitarbeiter manuell bearbeiten. Zudem lassen sich alle IX-Funktionen über ein Dashboard überwachen und monitoren.
Interconnection in Selbstbedienung? Genau das wird generell wichtiger. Denn Lösungen der Provider, um Geschäftsprozesse intelligent zu unterstützen, müssen sich ebenso intelligent in die IT-Landschaft der Anwender integrieren lassen. Ein Fakt, der für Unternehmen entscheidend ist, um ein Angebot auszuwählen. Und eine Tatsache, die aufzeigt, wie wichtig Standards, Open Source und wettbewerbsübergreifende Initiativen dafür sind.
IX-API: Entwicklungskosten teilen und Marktzugang sichern
Beispiel IX-API :Gemeinsam mit anderen IX-Betreibern wie AMS-IX und LINX entwickelt DE-CIX eine standardisierte Programmierschnittstelle (englisch API), um Dienste hochautomatisiert bereitzustellen. Die Initiative läuft im vierten Jahr, setzt auf Standards und offene Softwarearchitekturen. Die kooperativ und konsensual realisierte API setzen die beteiligten Provider in ihren Self-Service-Lösungen ein. Kunden, die ihre IT auf die Branchenschnittstelle ausrichten, stellen sich somit nicht nur auf einen IX-Anbieter, sondern mehrere ein. Ein Vorteil, von dem die IXs auch selbst profitieren, indem sie Expertise, Know-how und Kosten teilen und sich – im Gegenzug – einen breiteren Zugang zum Markt sichern.
Erst im vergangenen Februar hatte DE-CIX eine proprietäre Ergänzung für das software-definierte Cloud-Routing programmiert, die die IX-API in die Kernspezifikation aufgenommen hat. Ein Schritt, der den kollaborativen Geist der Zusammenarbeit unterstreicht. Statt Individualinteressen und Eigensoftware zu kultivieren, bieten offene Systeme und Architekturen Chancen für alle, die sich einbringen, engagieren und partizipieren. So fördert IX-API ein vielfältiges und wachsendes Ökosystem, das neben den bestehenden Mitgliedern neue Teilnehmer einschließt: JP-NAP und France-IX sind interessiert, ihren Beitrag zur Weiterentwicklung des Standards zu leisten.
Physik setzt Automatisierung Grenzen: Patchroboter nehmen Arbeit ab
Egal, ob IX-Betreiber oder -Kunde: Nicht alles, was Unternehmen automatisieren möchten, lässt sich am Ende auch automatisieren. So fehlen teils etwa APIs, um sogenannte Cross Connects als Direktverbindung zwischen unterschiedlichen Netzbetreibern oder Clouds herzustellen. Anderswo setzt dann die Physik der Sache Grenzen: Hardware und Kabel bleiben weiterhin nötig, um sich überhaupt an Interconnection-Plattformen anzuschließen. Aber mechanische Systeme wie Patch-Roboter nehmen hier dem Menschen ein Stück Arbeit ab. Auf Kundenwunsch stellen die analogen Helfer in drei Rechenzentren in Frankfurt am Main physische Kabelverbindungen rund um die Uhr bereit.
Für die Zukunft steht fest: Unternehmen brauchen immer schneller immer speziellere Interconnection-Dienste. Wenn sich Anwender auf diese Weise häufiger dediziert mit Clouds, Vorlieferanten und Geschäftspartnern verbinden wollen, dann steigen zugleich die Anforderungen an die Provider – und das zum einen was hochautomatisierbare und zum anderen software-definierte IX-Lösungen betrifft. Dieses Ziel ist nur zu erreichen, wenn sich die komplette Supply-Chain smart betreiben lässt, also nicht nur mit Blick auf einzelne Carrier, die sich auf eine API verständigen, sondern die gesamte letzte Meile über unterschiedliche Data Center und Provider hinweg. Wie das gelingen kann, zeigt Tellus: Das Förderprojekt unter Leitung von DE-CIX entwickelt eine offene Software, um Netzwerk-Funktionen zu virtualisieren. Dabei deckt Tellus die vollständige Interconnection-Lieferkette ab und schließt etwa unterschiedliche Provider, Clouds oder Dienste ein. Derart integriert lassen sich Funktionen und Services übergreifend automatisiert administrieren – ein Kernkriterium, damit intelligente Städte, autonome Verkehrsflüsse und eine kollaborative Datenwirtschaft überhaupt real werden.
Die Zukunft der Automatisierung: Kein Leben ohne API
Ohne End-to-End-Prozessautomatisierung keine digitale Transformation – nichts anderes zeigt die IDG-Gemeinschaftsstudie. Über 79 Prozent der Befragten messen dem Thema „sehr große“ oder „große“ Bedeutung bei. Ein Leben ohne APIs scheint somit für mehr und mehr Unternehmen kaum noch vorstellbar, da es laut IDC auch ökonomisch wertvoller und damit wichtiger wird. So planen die nach Meinung von IDC 2.000 größten und einflussreichsten Unternehmen der Welt, bis Ende nächsten Jahres über 40 Prozent ihrer IT-Ausgaben in Hardware für künstliche Intelligenz und Automatisierung zu investieren.

